Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank 2009 krisenbedingt gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 5 %. Dabei brach die Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe um 18,2 % ein. Das Baugewerbe (Bauhaupt- und Ausbaugewerbe) hielt sich mit einem Minus von gut 1 % demgegenüber relativ gut, es bleibt mit einem Anteil von 4 % die größte Einzelbranche. Der Anteil der Bauinvestitionen am BIP liegt mit 9,8 % (preisbereinigt) weiterhin unter der 10-Prozentmarke.

Die Bauinvestitionen beliefen sich auf nominaler Basis in 2009 wie im Vorjahr auf 245 Mrd. €, auf realer Basis wurde mit 212 Mrd. € das Vorjahresniveau nur um 0,8 % verfehlt. Zur Stabilisierung der Bauinvestitionen haben die Konjunkturpakete einen wirksamen Beitrag geleistet. Dies zeigt sich bei der positiven Entwicklung der realen öffentlichen Bauinvestitionen um 3,7 %. Allerdings ging das Wachstum dabei ausschließlich vom Hochbau aus. Hier schlägt sich die Hochbaulastigkeit der Konjunkturpakete nieder.
Der Wohnungsbau (Anteil an den Bauinvestitionen 56 %) bestimmte mit einer Entwicklung von -0,8 % gegenüber dem Vorjahr den Kurs. Das Wachstum im öffentlichen Bau (Anteil 13 %) von +3,7 % konnte den Rückgang im Wirtschaftsbau (Anteil 31 %) von -2,6 % nicht ausgleichen.
Das Bauen im Bestand hat seit Mitte der 90iger Jahre deutlich zugenommen. Der Produzentenanteil des Bauhauptgewerbes an den Bauinvestitionen hat von 1995 bis 2009 fast 10 %-Punkte verloren.
Infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise wie auch eingeleiteter haushaltswirksamer Gegenmaßnahmen (Konjunkturpakete) haben sich in 2009 die Einnahmen der öffentlichen Haushalte verringert, die Ausgaben hingegen erhöht. Der Finanzierungssaldo aus Einnahmen und Ausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden fiel 2009 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 80 Mrd. € auf einen negativen Saldo von 91 Mrd. €. In 2009 gaben die Länder 4mal und der Bund fast 6mal mehr für Zinsen aus als für Bauten. Die Kommunen bleiben wichtigster öffentlicher Bauinvestor (60 %-Anteil). Sie geben 4mal mehr für Bauten als für Zinsen aus. Aufgrund der deutlich angestiegenen Verschuldung und der ab 2011 wirksamen Schuldenbremse werden sich die Sparzwänge bei Bund, Ländern und Gemeinden weiter verschärfen. Dies wird sich nachteilig auf deren Investitionsbereitschaft auswirken.
Die Zahl der Erwerbstätigen konnte im Krisenjahr 2009 mit einer deutlichen Ausweitung der Kurzarbeit stabilisiert werden. Dies ging allerdings mit einem Rückgang der durchschnittlichen Einkommen um 0,4 % einher. Es war überhaupt der erste Rückgang der Verdienste in der Geschichte der Bundesrepublik. Wegen gesunkener Einkommen, der labilen Situation am Arbeitsmarkt und ausgebliebener Änderungen bei steuerlichen Rahmenbedingungen sind nachhaltige Impulse beim Neubau von Wohnungen in 2009 ausgeblieben.
Die Zahl der Betriebe im Bauhauptgewerbe ist im Zeitraum von Juni 2008 auf Juni 2009 von 74.535 auf 73.944 gesunken (-0,8 %). Nachdem die Zahl der Betriebe in der Abschwungphase bis 2005 relativ konstant blieb, geht die Betriebsanzahl seit 2006 zurück. Mit der Marktkonsolidierung hat sich die Atomisierung der Betriebe im Bauhauptgewerbe nicht fortgesetzt. Die Zahl der Beschäftigten ist konstant geblieben. Im Juni 2008 wurden 715.048 Personen im Bauhauptgewerbe gezählt, im Juni 2009 waren es 715.062. In den alten Ländern sind drei Viertel aller Beschäftigten tätig. Die durchschnittliche Betriebsgröße hat sich praktisch seit 2005 nicht verändert. Sie liegt im gesamtdeutschen Durchschnitt bei 9,7 Beschäftigten je Betrieb.
Nach der Leistungsstruktur der Betriebe führten die Betriebe mit 1 - 19 Beschäftigten in 2009 im Wohnungsbau ca. 76 % der Bauleistungen aus. Im Wirtschaftsbau und öffentlichen Bau führen die Betriebe mit 20 - 99 Beschäftigten jeweils mit 42 % und 44 % die Leistungsbilanz an. Die Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten nehmen am Geschäftsfeld „Wohnungsbau“ mit nur 3 % unbedeutend teil. Sie übernehmen dafür knapp 27 % der Leistungen im Wirtschaftsbau und knapp 32 % der Bauleistungen im öffentlichen Bau.
Der Beschäftigtenstand hat sich im Jahresverlauf 2009 gegenüber dem Vorjahr nach den Wintermonaten kontinuierlich verbessert. Jahresdurchschnittlich hatten die Unternehmen in Deutschland 704.757 Beschäftigte. Das waren nur 532 weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter im Bauhauptgewerbe stieg marginal von 130.006 auf 130.442. Dass die Betriebe ihren Personalstamm gehalten haben, ist wesentlich der breiten Nutzung des Instruments der Saison-Kurzarbeit („Saison-Kug“) zuzuschreiben.
Im Wohnungsbau haben die Baugenehmigungen in Wohngebäuden im Neu- und Umbau, bemessen in Baukosten, das Jahr 2009 mit einem Plus von 6 % abgeschlossen. Bemessen im Zuwachs an Wohneinheiten in neuen Wohngebäuden wurden knapp 6.000 WE mehr genehmigt. Der Zuwachs stammt aus den alten Ländern. Bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau deutet sich zum ersten Mal nach drei Jahren wieder eine Belebung an, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Auch die Auftragseingänge zeigten im Jahresverlauf 2009 eine flache Aufwärtsbewegung, die allerdings kumulativ nur auf Vorjahresniveau endete. Der Umsatz lag in 2009 bei 24,7 Mrd. €, was einem Rückgang um 4,8 % zu 2008 entspricht.
Das Genehmigungsvolumen im Wirtschaftsbau verlor in 2009 bemessen nach Baukosten 20 %. Dabei fielen Fabrikgebäude und Handelsgebäude mit um
30 % besonders stark zurück. Mit der Jahreswende 2009 brachen die Order in dieser Sparte deutlich ein. Sie verloren kumulativ etwa 15 %, was einem Rückgang gegenüber 2008 um ca. 3,4 Mrd. € entspricht. Der Umsatz verlor 9 % gegenüber dem Vorjahr und fiel mit 30,8 Mrd. € auf das Niveau von 2007.
Die Baugenehmigungen im öffentlichen Bau (bemessen in Baukosten) erreichten fast 11 Mrd. € gegenüber 7,1 Mrd. € im Vorjahr; ein Plus von nahe 4 Mrd. Euro (+54 %). Dies ist auf die Konjunkturprogramme zurückzuführen. Nachdem im Frühjahr die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine zügige Vergabe geschaffen waren, nahm der Zuwachs an Baugenehmigungen deutlich Fahrt auf. Etwa 75 % der regional verfügbaren Mittel durchschritten per Ende 2009 die Genehmigungsplanung. Die Ordern der öffentlichen Auftraggeber lagen zum Jahresende um knapp 4 % über dem Vorjahresniveau. Die Umsatzentwicklung im öffentlichen Bau schloss mit 26,7 Mrd. € um 3,4 % über dem Vorjahr.
Der Umsatz im Bauhauptgewerbe insgesamt erreicht 82,2 Mrd. € nach 85,6 Mrd. € im Jahr 2008.
Bei gesunkenen Umsätzen ist die Zahl der Beschäftigten im Jahr 2009 konstant geblieben. Die Zahl der geleisteten Stunden sank um gut 2 %. Die Umsätze pro Stunde fielen preisbereinigt um gut 2 %. Bedingt durch die Erhöhung der Tariflöhne zum Juni 2009 und der Mindestlöhne zum September sind die Arbeitskosten gestiegen. Trotz teilweise gesunkener Einkaufspreise hat sich die Ertragssituation der Unternehmen nicht verbessert. Dies spiegelt sich bei der Insolvenzentwicklung wieder. Die von 2001 bis 2008 permanent rückläufigen Insolvenzzahlen im Bauhauptgewerbe zogen in 2009 erstmalig wieder an.
Baumarkt 2009 (pdf, 2,2MB)
Quelle: Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V.