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Sanierung Haus BJ1986 - Nachtspeicheröfen/Heizung/Isolierung

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Hallo zusammen,

wir haben vor das Haus meiner Eltern umzubauen bzw. zu sanieren.
Das Haus wurde 1986 erbaut, ist somit ca. 26 Jahre alt.

Derzeit gibt es 2 Wohnungen im Haus:

EG: ca. 100qm + 25qm Waschküche/ Kellerfläche
OG: ca 125qm

Heizung derzeit:
Nachtspeicheröfen - Jahresverbrauch ca. 15000kWh Strom ~ 1700€

Im OG ist ein Kachelofen installiert. In der der Übergangszeit wird oben ausschließlich hiermit geheizt. Im Winter ist dieser auch neben den Nachtspeicheröfen in Betrieb. Dadurch laufen die Nachtspeicheröfen auf niedriger Stufe.

Im UG befinden sich ausschließlich Nachtspeicheröfen.

Warmwasser über strombetriebene Boiler im Keller.

Vorhaben:
Derzeit bewohnen wir (2EW + 1 Kleinkind) das UG des Hauses. Meine Eltern + Schwester das OG.
Wir wollen nun die Wohneinheiten tauschen. Sprich meine Eltern ziehen nach unten. Wir nach oben.
Direkt am Haus grenzt unsere Garage an, auf der ggf. noch ein weiteres Zimmer für das OG angebaut werden soll.
Im UG soll auch ein Holzofen (z.B. Speckstein) installiert werden.

Für meine Schwester soll eine kleine Wohnung (60qm) im Dachgeschoss entstehen.

Für mich die derzeit größten Fragen sind:

- Durch die "Zuheizung" per Kachelofen oben bzw. Specksteinofen unten: Ist die Investition in eine Warmwasserheizung anstelle der Nachtspeicheröfen wirtschaftlich?
- Falls ja könnte evntl. eine Luft-Wärmepumpe mit Niedertemperatur-Heizkörpereingesetzt werden? Fußbodenheizung für die Bäder...
- könnten evntl. heizungsunterstützend in den Kachelofen Wassertaschen eingebaut werden?

Die Aussenwände bestehen aus 36,5cm Porotonsteinen mit 2cm Leichtputz. innen sind 1,5cm Putz aufgetragen. Sprich die Aussenwände haben insgesamt ca. 40cm. Isoliert wurde bisher nichts. Die Frage ist auch hier ob sich die Investition lohnen würde.

Die Holzfenster werden wir wohl definitiv tauschen lassen.
Auch einen Architekten werden wir die kommenden Tage kontaktieren. Der unter anderem eine Energiebeurteilung durchführen soll.

Ich weiß, dass eine Fernbeurteilung immer sehr schwer ist, ich möchte nur nicht komplett unwissend an einen Architekten herantreten, darum dachte ich ich frage hier mal die Experten um Rat :-)

Danke im Voraus für Eure Einschätzungen!

Viele Grüße
Sanierer86

Offline parcus

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Re:Sanierung Haus BJ1986 - Nachtspeicheröfen/Heizung/Isolierung
« Antwort #1 am: 15. Januar 2012, 11:01:05 »
Von Nachtspeicheröfen ist generell abzuraten.
Vor dem 1. Januar 1990 eingebaute oder aufgestellte elektrische Speicherheizsysteme dürfen nach dem 31. Dezember 2019 nicht mehr betrieben werden.

Zu den Fragen:
- Ist die Investition in eine Warmwasserheizung anstelle der Nachtspeicheröfen wirtschaftlich?
  alles wäre wohl wirtschaftlicher, außer Infrarot.


- Falls ja könnte evntl. eine Luft-Wärmepumpe mit Niedertemperatur-Heizkörpereingesetzt werden? Fußbodenheizung für die Bäder...

  das hängt von der Heizlast ab, bzw. den Transmissionswärmeverlusten der Gebäudehülle.

- könnten evntl. heizungsunterstützend in den Kachelofen Wassertaschen eingebaut werden?

 da wäre die Wirtschaftlichkeit zu prüfen.

ich würde auch erst einmal über eine detaillierte Energieberatung gehen. (also U-Werte, Flächen, Energiebedarf,...)
Und vorher fragen, ob diese eine Heizlastberechnung mit einschließt.

hieraus sollte schon das optimale System resultieren.




Re:Sanierung Haus BJ1986 - Nachtspeicheröfen/Heizung/Isolierung
« Antwort #2 am: 15. Januar 2012, 14:39:25 »
Hallo, vielen Dank für Ihre Antwort!

Von Nachtspeicheröfen ist generell abzuraten.
Vor dem 1. Januar 1990 eingebaute oder aufgestellte elektrische Speicherheizsysteme dürfen nach dem 31. Dezember 2019 nicht mehr betrieben werden.

Dies ist aber auch nur die halbe Wahrheit...

Nach § 10a der Energieeinsparverordnung 2009 müssen Nachtspeicherheizungen für alle Wohngebäude mit mehr als 5 Wohneinheiten zu den folgenden Terminen außer Betrieb genommen werden, wenn die Raumwärme ausschließlich über elektrische Speichersysteme erfolgt:

- Vor dem 1. Januar 1990 eingebaute oder aufgestellte elektrische Speicherheizsysteme dürfen nach dem 31. Dezember 2019 nicht mehr betrieben werden.

-Nach dem 31. Dezember 1989 eingebaute oder aufgestellte elektrische Speicherheizsysteme dürfen nach Ablauf von 30 Jahren nach dem Einbau oder der Aufstellung nicht mehr betrieben werden.

Und selbst hier gibt es Ausnahmen...


- Ist die Investition in eine Warmwasserheizung anstelle der Nachtspeicheröfen wirtschaftlich?
  alles wäre wohl wirtschaftlicher, außer Infrarot.

Ob es wirtschaftlich ist im ganzen Haus bisher nicht vorhandene Heizungsrohre zu verlegen, einen Platz für eine Heizungsanlage zu schaffen, die Heizungsanlage an sich, Wartungskosten...
Ich schätze da würden Kosten in der Größenordnung >30.000€ auf uns zukommen.
Derzeitige Stromkosten für Nachtspeicheröfen 1700€/Jahr. Selbst wenn sehr unrealistische 1000€ pro Jahr an Energiekosten durch eine neue Heizung gespart werden können, amortisiert sich der Umbau nach 30 Jahren. Spätestens nach 30 Jahren muss wieder in eine neue Heizungsanlage investiert werden... wieder 10 bis 15.000€....

Ich zweifle lediglich an der Wirtschaftlichkeit, nicht an der Ökologie. Lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen :-)

Viele Grüße

Offline parcus

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Re:Sanierung Haus BJ1986 - Nachtspeicheröfen/Heizung/Isolierung
« Antwort #3 am: 16. Januar 2012, 09:04:53 »
Ich beziehe mich auch nicht auf § 10a Abs. 1 sondern Abs. 2

Relevant sind hier zudem die steigenden Stromkosten und das Auflösen des Nachtspeichertarifs.

Zudem hatte ich es gar nicht so verstanden, dass ein kompletter Austausch gewünscht ist.
Es gibt durchaus sinnvolle Kombinationen:
http://www.forum-hausbau.de/kombisysteme-zur-nachhaltigen-waermeversorgung--483--t.html

Weiter weiß ich natürlich auch nicht, was ggf. in Eigenleistung erbracht wird.
Die Wirtschaftlichkeit hängt natürlich sehr stark von der Preisentwicklung ab der Energieträger ab.

Darauf zielen letztendlich auch derzeit die Zielsetzungen ab. Keiner kann wirklich abschätzen, wo die
Kosten in 2020 liegen. Wenn zudem ein paar Milliarden Menschen zusätzlich konsumieren wollen,
kann dieses die "Prognose-Karten" zudem völlig neu mischen.

Ich denke wir sind uns aber alle darüber einig, das die Energieträger derzeit begrenzt sind und auch
nicht mehr günstiger werden. Somit wird hier das Angebot und die Nachfrage, sowie weltpolitische Interessen
der Supermächte bestimmen. Die Inflation spielt natürlich auch eine Rolle.

Auch hat im Bausektor eindrucksvoll gezeigt, wie empfindlich hier die Globalisierung ist.
Thema Stahlknappheit, wo gerade mal nur Shanghai ausgebaut wurde.

Insofern setze ich primär zumindest auf Teile der Gebäudehülle und energieeffiziente Geräte.

Hier weiche ich auch sicherlich von der "normalen" Energieberatung ab und stelle auch andere Alternativen dar.
Nur da wir auch ausführen, sehe ich auch später, was eine Maßnahme wirklich in der Praxis gebracht hat.

Tatsächlich ist vieles alleine betrachtet grenzwertig. Für mich gilt es immer einen guten Mix zu finden.
Was auch in der Praxis oft einen Mix zu Eigenleistungen bedeutet. Und natürlich Fördermaßnahmen.
Bei allem was wir in den letzten Jahren gemacht haben, waren die Förderungen federführend, insbesondere
die KfW oder regionale Programme.

Ein Vorteil bei Ihnen ist sicherlich das Baujahr. Hier sollte vieles von der Haustechnik noch im guten und aktuellem
Zustand sein. Und weniger Überraschungen zu erwarten sein, da hier in der Statik sicherlich das Wort "bauseits"
nicht mehr vorkommen sollte.

« Letzte Änderung: 16. Januar 2012, 09:07:20 von H.-P. Ambros »

Offline marco78

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Re:Sanierung Haus BJ1986 - Nachtspeicheröfen/Heizung/Isolierung
« Antwort #4 am: 16. Januar 2012, 16:04:07 »
Kann mich da nur A.- P. Ambros anschliessen.
Nachtspeicheröfen gehen heut zutage nicht mehr.

Re:Sanierung Haus BJ1986 - Nachtspeicheröfen/Heizung/Isolierung
« Antwort #5 am: 18. Januar 2012, 16:24:03 »
Die selben Erfahrungen habe ich auch gemacht. H.-P- Ambros hat Recht.