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Bauen Allgemein => Off-Topic => Thema gestartet von: DinoMino am 26. Juli 2025, 17:31:00

Titel: Wann ist man eigentlich wirklich zufrieden mit seinem Gesicht?
Beitrag von: DinoMino am 26. Juli 2025, 17:31:00
Mir fällt in letzter Zeit immer öfter auf, wie lange ich mich im Spiegel anschaue. Nicht so auf die Art, dass ich total eitel wäre oder ständig Selfies mache, sondern eher so eine stille, fast forschende Betrachtung. Ich sehe mein Gesicht und denke: Das ist es also. Aber irgendwie fehlt da was. Oder besser gesagt – es fühlt sich nicht abgeschlossen an. Wie eine Geschichte, bei der das letzte Kapitel nicht mit dem Rest zusammenpasst.

Früher hab ich nie so gedacht. Da war mein Gesicht halt mein Gesicht, Punkt. Ich war nie übermäßig zufrieden, aber auch nicht unzufrieden. Es hat funktioniert, war da, war meins. Jetzt ist es eher so, als würde ich es beobachten, fast wie etwas Fremdes. Nicht, weil es sich stark verändert hätte. Eher weil mein Blick darauf sich verändert hat. Ich vergleiche mich mehr. Nicht bewusst, aber ständig. Beim Scrollen, beim Fernsehschauen, manchmal sogar bei Freunden. Da ist dann so eine Stimme im Kopf, die fragt: Warum sieht deren Gesicht irgendwie stimmiger aus? Was genau fehlt bei mir?

Ich suche auch gar nicht nach Makeln. Es geht nicht darum, dass ich meine Nase hasse oder mit meiner Haut kämpfe. Es ist subtiler. Wie so ein innerer Maßstab, den ich nie formuliert habe, der aber trotzdem da ist. Ich frage mich, ob das vielleicht einfach dazugehört, älter zu werden. Dass man plötzlich nicht mehr nur in seinem Körper lebt, sondern ihn auch bewertet. Dass das eigene Gesicht nicht mehr bloß Teil des Tages ist, sondern etwas, das man aktiv einordnet. Wie ein Raum, in dem man wohnt, aber nicht mehr weiß, ob man ihn noch gemütlich findet.

Manchmal wünsch ich mir, ich hätte dieses analytische Auge nie entwickelt. Dass ich wieder diesen automatischen Frieden mit meinem Aussehen hätte, den ich früher hatte. Und gleichzeitig frag ich mich, ob das überhaupt möglich ist. Ob es nicht irgendwann jeden trifft – diese stille Unzufriedenheit, die nicht dramatisch ist, aber sich festsetzt.

Ich würde gern wissen, ob das jemand kennt. Nicht aus dem klassischen „Ich will schöner sein“-Ding heraus. Sondern eher diese tieferliegende Unsicherheit: Wann weiß man eigentlich, dass man mit seinem Gesicht zufrieden ist? Und bleibt das dann so? Oder verschiebt sich das immer weiter?
Titel: Re: Wann ist man eigentlich wirklich zufrieden mit seinem Gesicht?
Beitrag von: Cranker am 29. Juli 2025, 21:22:46
Hi,

ich les deinen Beitrag und denk mir so: Ja, da ist was dran. Und zwar nicht nur so ein bisschen, sondern so, dass ich direkt an meine letzte Bahnfahrt denken musste, wo ich mein Gesicht im Spiegel der Zugtoilette gesehen hab und dachte – huch. Das bin ich? Irgendwie ist es manchmal, als hätte man so ein inneres Bild von sich selbst, das ein paar Jahre zurückliegt, und dann holt einen die Realität ein. Nicht unbedingt hart, aber so, als würde man sich selbst von außen beim Altern zugucken, und es dauert kurz, bis man wieder drin ist im eigenen Gesicht.

Und ich glaub, das hat gar nicht so viel mit Eitelkeit zu tun. Sondern mehr mit der Tatsache, dass wir heute mit Bildern leben, die einfach völlig losgelöst sind von dem, was Spiegel oder echte Gesichter zeigen. Ich mein, allein mein Instagram-Feed... Da sieht jeder aus wie aus 'nem Werbespot für neue Haut. Und das sind Leute wie du und ich, keine Celebrities. Aber die können halt mit ein paar Klicks alles glätten, aufhellen und zurechtrücken. Und man weiß das, klar. Aber trotzdem bleibt’s irgendwo hängen, wie du sagst.

Ich hatte mal so einen Moment, der mir echt die Augen geöffnet hat. War beim Zahnarzt, weil ich eigentlich nur 'ne Kontrolle wollte. Dann kam ich da irgendwie mit der Helferin ins Gespräch, und zack, war ich auf einmal in so 'nem Beratungsgespräch gelandet – so mit Fotomontage, wie’s aussehen könnte, wenn man „ein bisschen was machen“ würde. Ich war erst total überrumpelt, aber ehrlich: Das hat mich danach noch wochenlang beschäftigt. Weil es eben gar nicht um was Konkretes ging, sondern um dieses Gefühl von: Man könnte. Ich glaub, der Zahnarzt hieß Dr. Horvath (https://www.drhorvath.de/) oder so. Total nett eigentlich, aber das Gespräch hat mir irgendwie mehr angetriggert als erwartet. Nicht, weil ich da was machen lassen wollte. Sondern weil da zum ersten Mal so ein anderes Ich aufgetaucht ist, eins, das in die gleiche Richtung schaut wie ich, aber eben ein bisschen perfekter.

Seitdem versuch ich’s mit Humor. Ich schau in den Spiegel und sag mir: „Na, du wieder!“ Und dann grins ich. Das klingt jetzt albern, aber das hilft, ein bisschen Abstand zu gewinnen. Ich glaub, man darf sich selbst nicht zu ernst nehmen, zumindest nicht zu sehr in Sachen Oberfläche. Weil das eigene Gesicht ist halt nicht nur das, was man sieht. Es ist auch das, was andere mit dir verbinden. Und meistens sind wir da viel strenger mit uns selbst, als andere es je wären.