Drastischer Rückgang der Kohlendioxidemissionen in Deutschland in 2009
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Drastischer Rückgang der Kohlendioxidemissionen in Deutschland in 2009

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Drastischer Rückgang der Kohlendioxidemissionen in Deutschland im Krisenjahr 2009

Den höchsten Emissionsrückgang eines Jahres seit 1991 führt der renommierte Energieforscher und Vorsitzende des Berliner Klimaschutzrates Dr. Hans-Joachim Ziesing ganz überwiegend auf die Wirtschaftskrise zurück.

Nach ersten Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen ist der Primärenergieverbrauch in Deutschland im Jahr 2009 vor allem aufgrund der wirtschaftlichen Krise um 6,5 % gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Mit rund 13.280 PJ war dies das niedrigste Verbrauchsniveau seit Anfang der siebziger Jahre in Gesamtdeutschland. Unter Berücksichtigung dieses absoluten Rückgangs und der Strukturverschiebung zugunsten emissionsfreier, vor allem erneuerbarer Energieträger sowie emissionsärmerer Energieträger dürften die energiebedingten Kohlendioxidemissionen nach ersten vorläufigen Schätzungen um etwa 7,7 % im Vergleich zu 2008 gesunken sein. Absolut bedeutet dies einen Rückgang um rund 58 Mio. t CO2.

Angesichts des teilweise dramatischen Einbruchs der Produktion vor allem in der energieintensiven Industrie, beispielsweise in der Stahlindustrie (in den ersten elf Monaten 2009 war die Rohstahlproduktion um fast 32 % niedriger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres). in der chemischen Industrie (hier schätzt der VCI den Produktionsrückgang 2009 auf rund 10 %) sowie in der Zementindustrie (Rückgang des Zementabsatzes etwa 8 %) dürften die prozessbedingten CO2-Emissionen noch deutlich stärker reduziert worden sein. Nach ersten Schätzungen dürften diese 2009 sogar um etwa ein Fünftel niedriger ausfallen als 2008.

Zusammen dürften energie- und prozessbedingten CO2-Emissionen im Jahr 2009 knapp 760 Mio. t betragen; das sind etwa 74 Mio. t CO2 bzw. fast 9 % weniger als 2008. Gegenüber dem Basisjahr 1990 bedeutet das eine Reduktion um nahezu 280 Mio. t CO2 bzw. um knapp 27 % und damit einen neuen Rekord. Damit dürfte das Kyoto-Ziel noch klarer übertroffen werden können als 2008.

Anders als im Vorjahr, als die Temperatureinflüsse sowie die Lagerbestandsbewegungen beim leichten Heizöl die tatsachlichen Veränderungen den Energieverbrauchs wie der CO2-Emissionen noch spürbar beeinflusst hatten, war im Jahr 2009 die gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit dem geschätzten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um rund 5 % von herausragender Bedeutung für die Emissionsminderung.

Kurz: Es war weit überwiegend die wirtschaftliche Krise, die den höchsten Emissionsrückgang eines Jahres seit 1991 bewirkt hat. Im Zuge dieser Entwicklung hat sich die Energieproduktivität (das Verhältnis von Bruttoinlandsprodukt zu Primärenergieverbrauch) weiter verbessert; der Anstieg der Energieproduktivität um etwa 1,7 % fiel aber noch immer deutlich niedriger aus als es dem Ziel der Bundesregierung entsprechen würde, wonach die Energieproduktivität bis 2020 gegenüber 1990 verdoppelt werden soll (danach müsste die Energieproduktivität von 2008 nämlich an jedes Jahr um etwa 3 % steigen müsste). Spürbar verbessert hat sich der CO2-Gehalt des Energieverbrauchs, der im Jahr 2009 um etwa 2 ½ % geringer war als 2008.

Es muss nun versucht werden, einem erneuten Emissionsanstieg bei einer wirtschaftlichen Erholung von vornherein entgegenzuwirken. Eine Pause bei klimaschutzpolitischen Aktivitäten sollten wir uns nicht erlauben dürfen – im Gegenteil.

(Eine ausführliche und aktualisierte Analyse der Veränderungen der CO2-Emissionen in Deutschland im Jahr 2009 wird in einer der nächsten Ausgaben der Zeitschrift „Energiewirtschaftliche Tagesfragen“ veröffentlicht)
 
Quelle: Dr. Hans-Joachim Ziesing