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Dachbegrünung

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Offline parcus

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Dachbegrünung
« am: 09. April 2010, 22:38:18 »
Grüne Dächer, noch vor nicht allzu langer Zeit vornehmlich als skurriler Luxus betrachtet, sind heute fester Bestandteil einer zeitgemäßen, ökologischen Stadt- und Siedlungsplanung. So wurden in Deutschland z.B. 1997 rund 11 Mio. m² Dachfläche begrünt, wodurch sich zumindest ein Teil der durch Bebauung verloren gegangenen Freiräume zurückgewinnen ließ - verbunden mit vielfältigem Nutzen.

Dachbegrünung - vieles spricht dafür
Die Vorteile fachmännisch begrünter Dächer zeigen sich im ökologischen, bautechnischen, persönlichen und z.T. auch ökonomischen Bereich, wie zum Beispiel:

    * Anbieten von Ersatzlebensraum für Tiere und Pflanzen (Dachbegrünungen werden nach dem BNatSchG § 8 als Ausgleichsmaßnahme anerkannt - Ausgleichszahlungen entfallen ggf.)
    * naturverträgliche, dezentrale Regenwasserbewirtschaftung (durch Wasserrückhaltung und verzögerten Regenwasserabfluss, Entlastung der Abwassersysteme)
    * Verringerte Abwassergebühr (in Gemeinden mit ?gespaltener Abwassergebühr?, d.h. mit separater Gebühr für Niederschlagswasser von versiegelten Flächen, somit nicht für Dachbegrünungen)
    * Verbesserung des Kleinklimas (Staub- und Schadstoffbindung aus der Luft, Erhöhung der Luftfeuchtigkeit)
    * Hitze- und Kälteschutz (dämmende Wirkung im Sommer und Winter, Energieeinsparung)
    * Lärmminderung im Gebäude (Luftschalldämmung)
    * Erhöhung der Lebensdauer der Dachabdichtung (Schutz vor UV-Strahlung, Hagel, extremen Temperaturdifferenzen)
    * Verbesserung des Arbeits- und Wohnumfeldes (erhöhte Lebensqualität, v.a. bei einsehbaren oder begehbaren Begrünungen)
    * Verbesserung des Stadt- und Landschaftsbildes (Erhöhung des Grünflächenanteils, attraktives Einbinden von Gebäuden in die Landschaft)


Arten der Dachbegrünung


Tabelle 1: Wesentliche Merkmale der verschiedenen Arten von Dachbegrünungen
Dachbegrünungen werden in der Regel unterschieden nach dem bautechnischen Aufwand, der Begrünungs- und Nutzungsform (s. Tabelle 1):

Aufwändige Intensivbegrünungen
beinhalten nahezu uneingeschränkte Gestaltungsvielfalt - in etwa vergleichbar mit bodengebundenen Grünflächen - sind jedoch mit einem hohen Aufwand verbunden. So ist z.B. bei der kostenintensiven Anlage von hohen Substratschichten (mit entsprechender Dachlast) und weiterhin von umfangreichen, wie im Garten üblichen Pflegemaßnahmen auszugehen.

Einfache Intensivbegrünungen
kommen mit wesentlich geringeren Schichthöhen aus und benötigen in der Regel keine Bewässerung. Hierdurch wird allerdings die Nutzungsvielfalt deutlich eingeschränkt, d.h. für die Begrünung eignen sich meist nur trockenverträgliche Gräser, Stauden und Kleingehölze.

Extensivbegrünungen
stellen aufgrund der kostensparenden, geringen Schichthöhe meist ausgesprochene Trockenstandorte dar. Es können daher nur Pflanzen mit besonderer Anpassung an diese Standortbedingungen verwendet werden. In der Regel setzt sich der naturnahe Bestand aus Sukkulenten (v.a. Sedum-Arten) und wenigen, trockenresistenten Gräsern und Kräutern zusammen, die sich weitgehend selbst erhalten und weiterentwickeln.

Standardaufbau einer Dachbegrünung


Abb. 1: Standardaufbau einer Dachbegrünung

Der Standardaufbau eines Gründachs besteht aus einer wurzelbeständigen Dachbahn, Schutzlage, Dränschicht, Filterschicht und Vegetationstragschicht (s. Abb.1). An jede dieser Schichten, die unterschiedliche Funktionen erfüllen, sind hohe Anforderungen zu stellen.

Wurzelbeständige Dachbahn
Als Grundvoraussetzung ist bei Dachbegrünungen eine wurzelfeste Dachabdichtung bzw. eine Wurzelschutzbahn auf der vorhandenen Abdichtung zu fordern. Hiermit soll auf Dauer verhindert werden, dass Niederschlagswasser in die Dachkonstruktion bzw. in das Gebäude eindringen kann.
Zur Dachabdichtung bzw. als Wurzelschutz werden zahlreiche Produkte aus unterschiedlichen, grundsätzlich geeigneten Werkstoffen angeboten, wie z.B. Thermoplaste (z.B. PVC-P, PE), Polymerbitumen (PYE, PYP) und Elastomere (z.B. EPDM). Es sollten ausschließlich Bahnen eingesetzt werden, denen in einem Prüfzeugnis eine Wurzelfestigkeit nach dem FLL-Verfahren attestiert wurde. Die dabei zugrunde gelegte strenge Prüfung der Bahnen, die z.B. auch an unserem Institut durchgeführt wird, sichert den erforderlichen Qualitätsstandard beim Wurzelschutz von Dachbegrünungen.

Schutzlage
Um die Dachdichtung bzw. Wurzelschutzbahn v.a. während der Bauphase vor mechanischen Beschädigungen zu schützen, sind Schutzplatten oder -bahnen z.B. aus Recycling-Kunststoffgranulat oder Schaumstoffen aufzulegen. Bei geringerer Belastung können auch dicke Kunststoffvliese (300-500 g/m²) verwendet werden.

Dränschicht
Diese Schicht hat die Funktion, aus der darüber liegenden Vegetationstragschicht einsickerndes Niederschlagswasser aufzunehmen, in die Ablaufvorrichtungen zu leiten und somit Staunässe zu vermeiden. Da Dränschichten darüber hinaus auch als Wurzelraum dienen, ist es sinnvoll, Stoffe zu verwenden, die in gewissem Umfang Wasser speichern können. Es eignen sich dazu offenporige mineralische Stoffe, wie z.B. Lava, gebrochener Blähton oder Blähschiefer und Ziegelbruch in grober Kör-nung (Korngröße ca. 4-16 mm).

Filterschicht
Sie verhindert, dass feine Boden- und Substratteile aus der Vegetationstragschicht in die Dränschicht eingeschlämmt werden und deren Wasserdurchlässigkeit beeinträchtigen. In der Regel werden hierfür Kunststoffvliese (100-200 g/m²) verwendet, die wasserdurchlässig und gut durchwurzelbar sind.

Vegetationstragschicht
Diese Schicht bildet als eigentlicher Wurzelraum der Vegetation die Grundlage für das Pflanzenwachstum. Sie muss v.a. einsickerndes Wasser in ausreichendem Umfang speichern, aber auch Überschusswasser rasch an die Dränschicht abgeben. Hierzu bedarf es besonderer physikalischer Eigenschaften, die auch langfristig erhalten bleiben.
In der Regel werden struktur- und lagerungsstabile Substrate verwendet, die sich aus mineralischen Komponenten (siehe Dränschicht) mit einer Korngrößenverteilung von ca. 2-12 mm und organischen Stoffen (z.B. Kompost, Rindenhumus, Torf) zusammensetzen.

Einschichtaufbau
Abweichend von dem oben beschriebenen Standardaufbau werden Extensivbegrünungen zunehmend im einschichtigem Aufbau angelegt, was großflächige und kostengünstige, weil einfach auszuführende Dachbegrünungen erlaubt. Die sehr vorteilhafte Vereinfachung der Bauweise bedeutet aber auch, dass eine einzige Schicht die dauerhafte Funktionsfähigkeit der Dachbegrünung sicherstellen muss. Hieraus resultieren hohe und z.T. gegenläufige Anforderungen an diese mehrfunktionale Schicht. Eine auch langfristig erfolgreiche Einschichtbegrünung kann daher nur bei Verwendung qualitativ hochwertiger Substrate sichergestellt werden. Es eignen sich hierfür wiederum die oben genannten offenporigen mineralischen Stoffe in einer Körnung von 0-12 mm, denen jedoch keine oder nur sehr geringe Anteile an organischen Stoffen (max. 5 Vol.%) zugemischt werden sollten. Zudem sind die Gehalte an sehr feinen, abschlämmbaren Partikeln auf kleiner bzw. gleich 5 Gew.% zu begrenzen.

Dachneigung
Eine geringe Neigung der Dachfläche (1-3°) ist günstig, da die Vegetationstragschicht ausreichend Wasser für die Pflanzen speichern kann, andererseits aber überschüssiges Niederschlagswasser sicher abgeführt wird (kein Wassereinstau). Maßnahmen zur Erosion von lagerungsstabilen Drän- bzw. Vegetationstragschichten sind nicht notwendig.
Ab einer Dachneigung von rund 20° sind Rutsch- und Schubsicherungen erforderlich, um eine Erosion der Schichten durch die zunehmende Abflussgeschwindigkeit des Niederschlagswassers zu vermeiden.
Als obere Grenze für einen stabilen Grünaufbau werden im allgemeinen rund 30° Dachneigung angesehen.

Zusammenfassung und Ausblick
Fachgerecht angelegte Gründächer bieten gegenüber unbegrünten Dachflächen zahlreiche Vorteile - bis hin zu einer längeren Lebensdauer des Dachs.
Der Aufwand und die Kosten für eine Begrünung sind relativ gering, sofern sie extensiv mit einschichtigem Aufbau ausgeführt wird.
Auf der Basis umfangreicher Forschungsarbeiten sind inzwischen ausreichende technische Vorgaben für sichere und beständige Dachbegrünungen vorhanden, wodurch sich auch die Akzeptanz für Gründächer deutlich erhöht hat.
Ein hoffnungsvoller Ausblick, mit Worten von Friedensreich Hundertwasser, kann daher lauten: ?Dachbegrünungen sind die Dachbedeckungen der Zukunft. Man wird sich schwer vorstellen können, dass es einmal eine Zeit gab, in der die Dächer tot waren - ohne Leben und ohne Vegetation.

Quelle: Institut für Gartenbau
Martin Jauch, Dipl. Ing. (FH) Gartenbau

Offline Schake

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #1 am: 20. Juli 2011, 21:36:43 »
Ein bekannter von mir hat sein Dach auch begrünen lassen, (flachdach).
Es sieht auch wirklich schön aus, doch hat es damit viel Arbeit. Er möchte ja schließlich nicht nur Moos o.ä. haben. Außerdem ist das dach nun immer nass, er weiß nicht, wie lange das mit der dichtigkeit gut geht...

Offline terber

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #2 am: 21. Juli 2011, 13:52:28 »
Man sollte ja auch nicht unbedingt einen schlecht abgedichteten Bungalow gegrünen ;-)
Ich denke mal, wenn man vernünftig und nachhaltig arbeitet, hat man keine schäden und mit der Begrünung nur Freude!

Offline terber

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #3 am: 11. August 2011, 09:22:20 »
Hallo,

Dachbegrünungen sehen nicht nur fantastisch aus, sie helfen auch der Natur und tragen zum Umweltschutz bei. Ich finde, jeder der die Möglichkeit dazu hat, sollte sich Gedanken über eine Begrünung des Daches machen. Es ist zwar, wie bereits angesprochen, mit sehr viel Arbeit verbunden, jedoch ist man bei Fertigstellung umso glücklicher, wenn man das Ergebnis betrachtet. Ich selbst habe vor einigen Monaten bei einer Dachbegrünung nach dem Bau eines Hauses geholfen und war wirklich erstaunt wie viele Faktoren beachtet werden müssen.

Grüße


SEO-Links bitte in der entsprechenden Rubrik mit Backlink platzieren. 
« Letzte Änderung: 11. August 2011, 14:38:23 von H.-P. Ambros »

Re:Dachbegrünung
« Antwort #4 am: 14. Oktober 2011, 09:24:54 »
Danke für den ausführlichen Artikel.
Ich werde mir mal die Kosten für mein Gartenhäusen ausrechnen.
Dann hätte ich wieder schöne Arbeit im Frühling.
Ich denke der Garten wird dadurch viel "tropischer" wirken, tolle Anregungen findet man in diesem Forum.

Re:Dachbegrünung
« Antwort #5 am: 04. November 2011, 16:06:59 »
Interessanter Artikel. Ein voll begrüntes Stadtviertel sieht sicher toll aus. Würde ich mir gerne mal aus der Luft ansehen wenn es irgendwann sich sowas ausbreitet.  :glas:
Ganz toll wären natürlich richtige Bäume, aber das schafft sicher auch ein 300kg/qm Dach nicht, einen dicken Baum zu halten. x)

Offline metaxa

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #6 am: 06. Januar 2012, 17:20:58 »
Danke für den ewig langen Artikel. Ewig lang ist er gar nicht, wenn man bedenkt, dass ich ihn derart flott durchgelesen hatte. Also nehm ich mir einfach ein paar deiner Ansichten und Tipps zu Herzen und setzt sie bei mir um.

Offline marco78

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #7 am: 07. Januar 2012, 09:28:28 »
Eine Dachbegrünung, wenn man es sauber macht und sich auch darüm kümmert, ist bestimmt eine Alternative und trägt zu einem schöne Bild bei.

Offline Bauhai

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #8 am: 29. Januar 2012, 01:25:03 »
Gibt es denn fuer Dachbegruenungen Langzeiterfahrungen was die Haltbarkeit der Dachoberflaeche betrifft?
 Ich kann mir vorstellen dass die Begruenung die Haltbarkeit der Dichtigkeit wesentlich verringert.
Bitte dann die Versicherung nicht vergessen: www.hausrat-haftpflicht-versicherungsvergleich.de/ [nofollow]
« Letzte Änderung: 19. Februar 2012, 03:52:28 von Bauhai »

Offline tuni

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #9 am: 17. Februar 2012, 08:36:31 »
Also mir ist der Aufwand in Relation zum Nutzen zu groß. Es mag schön aus sehen, aber die Arbeit, Zeit und auch Geld, die darin stecken, werden einfach nicht durch ein gutes Bildchen ersetzt.  :noth:

Offline zierius

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #10 am: 13. Juni 2012, 14:46:49 »
Bei meiner ehemaligen Zivi-Stelle war auch das Dach begrünt. Soweit ich weiß hat es damit nie Probleme gegeben bezügl. Dichtheit (Alter immerhin 15 Jahre), aber es ist echt eine elendige Arbeit gewesen, das Teil Unkrautfrei zu halten und alles zu entfernen, das tiewf wurzelt und damit Schäden am Dach verursachen könnte. Ich würd mir das also nicht freiwillig antun...

Offline Biohome

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #11 am: 28. August 2012, 16:45:35 »

Hallo zusammen so eine Dachbegrünung finde ich richtig schön und das Haus hebt sich von den anderen ab.

Offline stille

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Re:Dachbegrünung
« Antwort #12 am: 30. Oktober 2012, 09:36:33 »
Ich glaube da muss ein Fachmann ran... Das Risiko dann einen Schwamm im Haus zu haben, würde ich nicht eingehen wollen  :mrgreen: